Geschichte

Die Geschichte der Schreibschrift geht zurück bis ins Mittelalter. Als das Papier nach und nach das Pergament ersetzte, entwickelten sich aus der damals weit verbreiteten gotischen Minuskel allmählich kursive Varianten. Diese waren einfacher und schneller zu schreiben und so verbreitete sich das Schreiben auch in die unteren Bürgerschichten. Infolge dessen entstanden die ersten Schreibschriften wie etwa die Deutsche Kurrentschrift. Der Name leitet sich vom lateinischen Verb currere ab, was laufen bedeutet und auf die Schreibgeschwindigkeit Bezug nimmt.
1911 wurde im Auftrag des preußischen Kultur- und Schulministerium die Sütterlinschrift entwickelt. Vereinfachte Buchstabenformen sollten das Erlernen erleichetern und so löste sie die Deutsche Kurrentschrift ab den 1920er Jahren ab. Im Gegensatz zu einer heutigen Schreibschrift wurden die Buchstaben damals im Unterricht exakt abgeschrieben und sollten nach Möglichkeit bei allen Schülern gleich aussehen.

Im Jahr 1942 erließen die Nationalsozialisten in Deutschland einen Schrifterlass, der jegliche Schriften mit gotischen Ursprüngen verbot und ausschlißlich die Verwendung von lateinischen Buchstaben vorschrieb. Deshalb führte man in den Schulen die Deutsche Normalschrift ein, eine lateinische Schreibschrift welche die Sütterlinschrift ablöste.
1953 entwickelte der Iserlohner Schreibkreis, ein aus Schreibdidaktikern bestehender Zusammenschluss die Lateinische Ausgangsschrift. Sie verstanden den Prozess des Schreibens als Bewegung und betonten deshalb den lebendigen, rhytmischen Charakter der Schrift. Die Entwickler wollten mit der neuen Ausgangsschrift auch einem Schriftverfall entgegen treten. Sie wurde bis 1966 in flächendeckend in den Schulunterricht eingeführt.

Auch in Westdeutschland kam es zu dieser Zeit zu einer Überarbeitung der Lateinischen Ausgangsschrift. Verantwortlich hierfür zeichnete sich Heinrich Grünwald, der an der alten Schreibweise die unheitlichen Verbindungen und das motorisch schwierige Schreiben einiger Buchstaben kritisierte. Er führte dazu Studien durch, die seine Theorie zunächst belegten. Die Vereinfachte Ausgangsschrift wird seit den 1970er Jahren unterrichtet. Erst 1996 widerlegte der Oldenburger Erziehungswissenschaftler Wilhelm Topsch die Studien und wies teilweise eklatante Mängel nach.
Bis heute werden die drei Schreibschriften – die Lateinische Ausgangsschrift, die Verinfachte Ausgangsschrift und die Schulausgangsschrift – je nach Bundesland verpflichtend oder wählbar unterrichtet.